Was die Nationalsozialisten aus dem Stadtbild tilgen wollten, wird nun wieder sichtbar: Am Wurmsweg erinnert eine Gedenktafel an den Maler Philipp Veit (1793–1877). Sie geht auf einen gemeinsamen Antrag von SPD, Grünen und FDP in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte zurück und macht die antisemitisch motivierte Umbenennung des früheren Veitswegs dauerhaft sichtbar.
Der Veitsweg wurde 1938 von den Nationalsozialisten in Wurmsweg umbenannt, um den Bezug zu Philipp Veit und dessen jüdischer Herkunft aus dem Stadtbild zu tilgen. Die Kommission zum Umgang mit NS-belasteten Straßennamen stellte später fest, dass diese Umbenennung ausschließlich aus antisemitischen Motiven erfolgte. Dennoch blieb Philipp Veit nach 1945 ohne erneute Würdigung im öffentlichen Raum.
Mit ihrem Beschluss haben SPD, Grüne und FDP diese historische Leerstelle bewusst aufgegriffen. Die Gedenktafel erinnert an den ursprünglichen Namensgeber, ordnet die Geschichte der Straßenumbenennung historisch ein und macht ein Stück verdrängter jüdischer Geschichte im Stadtteil Hamm wieder sichtbar. Sie steht damit für eine aktive Erinnerungskultur, die historisches Unrecht nicht ausblendet, sondern bewusst sichtbar macht.
Die heutige Straßenbenennung bleibt dabei unverändert. Christian Friedrich Wurm (1803–1859), nach dem der Wurmsweg benannt ist, war ein angesehener Hamburger Lehrer, Publizist und politisch engagierter Demokrat. Die Gedenktafel ergänzt die Geschichte des Ortes, indem sie die antisemitisch motivierte Umbenennung des früheren Veitswegs historisch einordnet und an dessen ursprünglichen Namensgeber Philipp Veit erinnert.
Olcay Aydik, Abgeordneter aus Hamm (SPD):
„Die Nationalsozialisten wollten Philipp Veit aus dem öffentlichen Gedächtnis löschen. Mit der Gedenktafel holen wir diese Geschichte zurück ins Stadtbild. Sie erinnert nicht nur an einen bedeutenden Künstler, sondern macht sichtbar, wie Antisemitismus selbst den öffentlichen Raum geprägt hat. Wer aus der Geschichte lernen will, muss sie dort sichtbar machen, wo sie stattgefunden hat – mitten in unseren Stadtteilen.“
Theresa Rothberg, Fraktionsvorsitzende (GRÜNE):
„Erinnerungskultur bedeutet nicht zuletzt, genau hinzuschauen, warum Geschichte aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist. Die Umbenennung des Veitswegs war kein Zufall, sondern Ausdruck der nationalsozialistischen Ideologie. Die Gedenktafel hilft dabei, diese Zusammenhänge nachzuvollziehen und erinnert zugleich daran, auch mit den unbequemen Kapiteln unserer Stadtgeschichte verantwortungsbewusst umzugehen.“
Timo Fischer, (FDP):
„Die Nationalsozialisten haben 1938 nicht einfach einen Straßennamen geändert. Sie wollten Philipp Veit und die Erinnerung an einen Maler mit jüdischen Wurzeln aus dem öffentlichen Raum verschwinden lassen. Was die Nationalsozialisten aus dem Stadtbild löschen wollten, machen wir heute bewusst wieder sichtbar. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder zunimmt und jüdische Menschen wieder Angst vor Anfeindungen und Übergriffen haben müssen, ist es wichtig, jüdische Geschichte nicht verblassen zu lassen. Jüdische Menschen sind kein Randkapitel unserer Geschichte – sie haben Hamburg mitgeprägt, gehören zu unserer Geschichte und sind selbstverständlich Teil unserer Gegenwart und Zukunft. Genau das muss auch im öffentlichen Raum sichtbar sein.“


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Patricia Maciolek
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